XX a. antros pusės Lietuvos pasaulėvaizdžio kaita Pierre’o Teilhard’o de Chardino idėjų kontekste
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2025 |
Die Rezeption der Ideen von Pierre Teilhard de Chardin im 20. Jahrhundert fand in einer Gesellschaft statt, die tiefgreifende politische und ideologische Umwälzungen und einen intensiven Wandel des Weltbildes erlebte. Philosophische Ideen von Teilhard wurden in Litauen in den späten 1950er Jahren bekannt. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre setzte eine konsequente Forschungsarbeit ein. Die Jesuiten (insbesondere Pater Jonas Lauriūnas) leisteten einen wichtigen Beitrag zur Rezeption von Teilhard und zur Verbreitung seiner Bekanntheit unter Intellektuellen. Die ersten Teilhard gewidmeten philosophischen Publikationen und die ersten atheistischen Vorträge mit Bezugnahme auf ihn erfolgten im Zeitraum von 1968 bis 1969. Unter den litauischen Philosophen waren die Ideen Teilhards gut bekannt. Dies war ein besonderer Forschungsschwerpunkt des Philosophen Bronius Kuzmickas. Teilhards philosophische Konzepte wurden an der Universität Vilnius vorgestellt und seine Ideen den Studierenden an den Priesterseminaren in Kaunas und Telšiai sowie an der Gediminas Technischen Universität in Vilnius nahegebracht. Einzelne weltanschauliche Gruppen hatten ein unterschiedliches Verhältnis zu Teilhards Biografie und seinen Ideen. Die Harmonie zwischen Wissenschaft und Glaube, die für die katholischen Kreise insgesamt charakteristisch ist, wurde jedoch unterschiedlich wahrgenommen: die holistisch gesinnten Katholiken träumten von einer spiritualistischen Wissenschaft, die Naturwissenschaft und Religion synthetisiert und die Wirklichkeit als organisches und sich entwickelndes Ganzes betrachtet, wobei die konservativeren Autoren hofften, dass die Wissenschaft die traditionelle Auslegung von Glaubenswahrheiten veranschaulichen würde. Die Philosophen sahen die Abstraktheit von Teilhards Humanismus, die Leugnung der Besonderheit des gesellschaftlichen Wandels, die Illusionen der Teilhardschen Synthese von Wissenschaft und Glaube und prangerten die Erscheinungsformen des Holismus als Pantheismus und Panpsychismus an (die von der offiziellen Ideologie weniger beeinflussten Philosophen versuchten jedoch auch in der Sowjetzeit, die Priorität des Bewusstseins in der Struktur des Seins aufzuzeigen). Die offizielle Ideologie der UdSSR war schließlich gezwungen, das Weltbild der modernen Naturwissenschaft zu übernehmen und damit die Unterscheidung zwischen den Begriffen „Materie“ und „Geist“ auf ein Minimum zu reduzieren. Unter jungen Menschen stieg das Interesse an der Esoterik. Immer präsenter wurde der Holismus in den Vorträgen der Gesellschaft „Žinija“, in Fernseh- und Radiosendungen, in der Zeitschrift „Mokslas ir gyvenimas“ („Wissenschaft und Leben“) und in der aufkommenden esoterischen Subkultur. Holistische Aspekte waren in der philosophischen Forschung zahlreich vertreten. Die Ideen der Theosophie und die Lehre von Agni Yoga waren unter Intellektuellen sehr beliebt. In den 1980er Jahren führte dies zur Herausbildung von drei weltanschaulichen Richtungen: dem konservativen Katholizismus, dem Holismus, der auf der Immanenz des Göttlichen und des Bewusstseins in der Natur basierte, und der Weltanschauung, die sich auf den materialistischen Reduktionismus, den Szientismus und den Atheismus stützte. Diese Tendenzen setzten sich auch nach dem Fall des Kommunismus fort. In Form von Disziplinen Biophysik, Bionik, Neurokybernetik und Bioinformatik wurden die Ideen des Transhumanismus weiterentwickelt. Während der Sowjetzeit war die katholische Gesellschaft in corpore eher konservativ hinsichtlich der Anerkennung von Autorität der Priester, der wörtlichen Akzeptanz von Glaubenswahrheiten als Grundlage für ihre katholische Identität und des liturgischen Traditionalismus. Die katholischen Intellektuellen hingegen sahen sich als Teilnehmer an einem geistlichen Kampf und erkannten all jene als Verbündete an, die das materialistische Weltbild ablehnten und die Spiritualität des Seins betonten, welche eine Voraussetzung für holistisches Denken war. Nach dem Zusammenbruch des sowjetischen Systems lag die Kirchenleitung in den Händen von Kräften, die das Zweite Vatikanische Konzil respektierten und somit zum offenen Katholizismus gehörten. Die Bemühungen der Kirche, ihre Vorkriegsposition wiederzuerlangen, prägten jedoch einen eher konservativen Diskurs. Der Kampf gegen das Sektierertum war einer der Momente der Polemik zwischen konservativen Kreisen und den für das „New Age“ und die orientalistischen Religionen charakteristischen Phänomenen.